Beim Berggeist Rübezahl

Die Schneekoppe mit Schlesierhaus.  Fotos (8): Diana Kunze
Die Schneekoppe mit Schlesierhaus. Fotos (8): Diana Kunze

Zum Ostereiersuchen mit dem AlpinClub Berlin ging es in diesem Jahr in die Heimat des Berggeistes Rübezahl. Die 13 Teilnehmer haben dabei zauberhafte Bergseen, eiszeitliche Gletscherkaren und steile felsige Flanken erkundet, die das sagenumwobene Riesengebirge prägen. Neben dem Wandern kam auch das Feiern nicht zu kurz. Und Schokoeier gab’s auch – vielen Dank an die fleißigen ACB-Osterhasen! Hier nun der Bericht.

Tag 1. Wir erreichen gegen Mittag die Spindlerova Bouda (Spindlerbaude), auf 1208 m direkt auf dem Gebirgskamm zwischen Polen und Tschechien gelegen. Ehe wir einchecken, machen wir uns mit der hervorragenden tschechischen Küche des Hauses vertraut. Derweil sehen wir durch das Fenster Schneegestöber, willkommen im April!

Spindlermühle
Spindlermühle

Einwandern nach Spindlermühle (13 km)
Durch dichten Wald, teils über Schnee, steigen wir hinab zum beliebten Urlaubsort Spindleruv Mlyn (Spindlermühle). Unser Tagesziel heißt „gemütliche Einkehr“, und wir werden bald fündig: Das lichtdurchflutete, gut besuchte Cafe Bogner an der Elbe verwöhnt uns mit leckeren Kaffee- und Kuchensorten.

Der anschließende Aufstieg zu unserer „Hütte“ erfolgt im Nieselregen. Was uns jedoch nicht weiter stört, denn schließlich lockt die angenehme Wärme im Relaxzentrum (29 Grad) unseres Hotels.

Später im Restaurant wird‘s nicht minder gemütlich. Wir schließen nähere Bekanntschaft mit Slivovitz, Borovička und Becherovka und mit Tomáš Bohó, dem Künstler des Abends. Er verzaubert uns mit seiner Gitarre. Ein Meister seines Fachs.  Unglaublich, wie er alleine (!)  Queen oder Deep Purple zelebriert. Bei „Smoke On The Water“ schwingen selbst erklärte Nicht-Tänzer unter den anwesenden ACB-Mitgliedern das Tanzbein.

Mittagstein
Am Mittagstein

Über die Schneekoppe (20 km)
Tag 2. Wir starten früh im Nebel, doch bald klart der Himmel auf und zeigt uns die beeindruckende Riesengebirgswelt.

Vom Kamm blicken wir hinab in tiefe Talkessel mit dem Großen und dem Kleinen Teich. Wir stiefeln durch Schneefelder, der Wind weht kräftig und kalt. Als das eine oder andere menschliche Bedürfnis ruft, steht das Dom Slaski (Schlesierhaus) vor uns, das wir ca. 30 Minuten unterhalb der Schneekoppe erreichen.

Erleichert und gestärkt nehmen wir den höchsten Riesengebirgs-Gipfel (1608 m) in Angriff. Nur der steilere Zickzackweg ist heute freigegeben – offenbar, weil auf dem alternativen und geländerfreien Jubiläumsweg noch zuviel Schnee liegt.

Die Schneekoppe trägt ihren Namen zurecht: Auf dem verschneiten Gipfel wehen eisige, heftige Winde, die uns fast von den Beinen werfen, und so genießen wir nur kurz die schöne Aussicht in den Riesengrund. Das wir überhaupt Sicht haben, ist ein Glücksfall – die meisten Tage im Jahr liegt der Gipfel in Wolken.

Beim Abstieg kommen wir erneut zum Schlesierhaus, diesmal eher rutschend. Die Einkehr sparen wir uns, denn die größte und älteste Baude des Riesengebirges liegt vor uns: die Luční bouda (dt. Wiesenbaude – mit hauseigener Brauerei!), erstmalig 1623 oder 1625 errichtet. Wir erreichen sie u.a. über einige langgezogene Holzstege, die uns die Berührung mit dem Tiefschnee ersparen.

Nach einer Pause überqueren wir weite Schneefelder, ehe wir in ein waldreiches Tal eintauchen. Als wir die malerisch gelegene Berghütte „Bouda Bílé Labe“ (Weiße  Elbe) erblicken, mit ihren Tischen im Freien, beschließen wir, die milden Temperaturen zu nutzen und uns unser Abendessen zu bestellten. Wir werden nicht enttäuscht.

Für den weiteren Aufstieg zu unserem Hotel überqueren wir erst die Weiße Elbe und wandern dann weiter auf einem schönen Waldweg. Der Abend in Relaxzentrum und Restaurant klingt heute etwas früher aus als gestern. Morgen haben wir auch etwas vor…

Auf dem Weg zur Elbfallbaude
Auf dem Weg zur Elbfallbaude

Zur Elbquelle, über Mann- und Mädelsteine (19 km)
Tag 3. Auf dem Kammweg wandern wir zur Petrova Bouda (Peterbaude), von der nur noch die Grundmauern stehen. Von hier aus führt uns ein zugeschneiter Pfad zum Vogelstein (1310 m), der leicht zu ersteigen ist und uns eine weite Aussicht gewährt.

Weiter geht‘s durch den Bärengrund. Auf wasserreichen Wiesen mit viel Gestrüpp holen wir uns nasse Schuhe, da  kommt uns die urgemütliche Martinova bouda (Martinsbaude) gerade recht! Das Pausenbier ist redlich verdient.

Die Elbfallbaude
Die Elbfallbaude

Unser nächstes Ziel ist die Labská bouda (Elbfallbaude), ein gigantischer Klotz unweit von unserem Tagesziel, der Elbquelle. Wir nutzen die letzte Möglichkeit zur Einkehr und Stärkung, ehe wir den langen Rückweg über den Kamm antreten. Von der Quelle selbst, die mit Wappen berühmter Elbstädte gekennzeichnet ist, ist im tiefen Schnee nicht viel zu sehen. Dennoch: Es ist schon ein besonderes Gefühl, am Ursprung dieses großen Flusses zu stehen, der von hier bis in die Nordsee fließt!

An der Elbquelle
An der Elbquelle

Je höher wir steigen, desto windiger wird‘s. Nach der Veilchenspitze (1472 m) gelangen wir zur Rübezahlkanzel. Eine Wahnsinnsaussicht in die Schneegruben! Wirklich riesig, das Riesengebirge…

Auch der weitere Weg ist traumhaft. Das Wetter wandelt sich, die Sonne scheint, die Mannsteine (1416 m) und die Mädelsteine (1413 m) verführen manche(n) von uns zum Herumklettern.

Auf den Mannsteinen
Auf den Mannsteinen

Bis zur Petersbaude und von dort zur Spindlerbaude ist es nun nicht mehr weit. Wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend wie gewohnt in Schwimmbad und danach im Restaurant.

In der Kirche Wang
Tag 4. Die Rückfahrt treten wir über Karpasz (Krummhübel) in Polen an, wo wir die Kirche Wang besichtigen. Die norwegische Stabholzkirche aus dem 12. Jahrhundert war vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV im Jahr 1842 ins Riesengebirge überführt worden. Sie ist ohne Nägel gebaut, man kann wertvolle Schnitzereien der Wikinger-Nachfahren, darunter die nordischen Löwen, besichtigen. Der alte Kirchfriedhof bietet uns einen schönen Ausblick ins Hirschberger Tal.

Die Kirche Wang
Die Kirche Wang

Ankündigung für 2015
Die nächste Ostertour führt uns erneut in die tschechisch-polnische Grenzregion, und zwar ins Isergebirge. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Interessenten sollten sich deshalb frühzeitig per E-Mail melden. thikunze@gmail.com

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