Von Muktinath (3.790 m) nach Kagbeni (2810 m)

Blick von Muktinath zum Dhaulagiri (8167 m). Foto Diana Kunze

Tag 15. Am Morgen steigen wir fröstelnd die Treppen zur berühmten Tempelanlage auf.  Eiszapfen wachsen an den 108 stierköpfigen Wasserspeiern, durch die ein Gläubiger läuft und sich bespritzt. Wir stehen vor einem der wichtigsten Heiligtümer im Himalaya. Buddhisten, Hindus, Bönpa und Jain pilgern nach Muktinath

Als wir weiterwandern, kommt endlich die Sonne zum Vorschein. Hübsche Uralt-Häuser in Purang. Plötzlich (Freude!) schauen wir auf frisches Grün der Felder. Ja, hier zieht der Frühling ein! Er verleiht uns frischen Schwung.

Das Kloster von Jhong. Foto: Th. Kunze

Viel zu schnell erreichen wir Jhong und blicken auf ein beeindruckendes Kloster auf einem Bergrücken. Es ist erst 11 Uhr, und unsere eigentlich von Buddha anvisierte Mittagslodge hat noch geschlossen. Also ziehen wir weiter, hoch zu den Ruinen einer alten Festung mit Traumaussichten vom Milan Guest House.  Mein Curry-Gericht schmeckt ganz vorzüglich, und auch meine Wanderpartner loben das Essen in den höchsten Tönen. Die Wartezeit (alles wird frisch zubereitet und dauert) nutzen wir zum Chillen in der Sonne. – Welch ein Genuss nach den Strapazen der Vortage!

Am Nachmittag ein völlig anderes Landschaftsbild. Auf die frühlingshaften Felder folgt eine endlos erscheinende Hochwüste. Motorbiker überholen uns, staubaufwirbelnd. Oft hören wir sie erst im letzten Moment, lautstark bläst und tobt der Wind. Wir schützen unsere Kopföffnungen und laufen schnell, um zum Ziel zu gelangen. Allerdings bleiben einige Wanderpartner zurück. Sie haben Ammoniten gefunden.

Hochwüste zwischen Jhong und Kagbeni. Foto: Diana Kunze

Offenbar hat sich Goldgräberstimmung breitgemacht, und auch ich, als ich die Meerestierfossilien später sehe, bin fasziniert. Der Himalaya stand ja einst unter Wasser, und dass die guterhaltenen Beweise einfach überall herumliegen, erstaunt mich. Allerdings gebe ich, mit Verweis auf meinen Wanderführer, auch zu bedenken, dass das Sammeln der versteinerten Schnecken verboten ist und dass Steine im Rucksack „nie eine gute Idee“ sind.

Traumblick hinunter zum Kali Gandaki. Foto: Kunze

Kurz vor Kagbeni genießen wir einen  Traumblick hinunter zum Kali Gandaki, der sein breites, gewaltiges Bett in die Bergwüste gefressen hat. „Der Ortsname setzt sich aus den Wortteilen ,Kag‘ und ,Beni‘ zusammen. ,Kag‘ bedeutet ,blockieren‘, da der Ort auf einem Felsblock liegt und ,Beni‘ ist der Zusammenfluss zweier Flüsse, hier des Kali Gandaki und des Dzong Khola, der von Muktinath herunterkommt und hier in den Kali Gandaki mündet“, schreibt Reinold auf seiner Homepage.

Die Straße hinunter ins Flusstal ist abgebrochen und verschüttet, ein Alternativweg ist steil und vielleicht nicht ganz ungefährlich. Wir Vorauseilenden warten deshalb in einer Sandsteinhöhle, die uns Schutz vor den kalten Winden gibt, auf unsere sammelfreudigen Gefährten.

In einer Sandhöhle oberhalb von Kagbeni. Foto: Diana Kunze

Der Abstieg nach Kagbeni erweist sich als nicht besonders schwierig. Vor dem Ortseingang begrüßt uns unser Guide Buddha, der eine kürzere Route genommen hatte, um Jeeps zu organisieren. Morgen werden wir sie brauchen.

Kagbeni  (2810 m) bezaubert mich. Schmale, dunkle Gassen mit kleinen Fenstern in dicken Mauern. Freundliche, tibetisch gekleidete Menschen. In der farbenfrohen Komfortlodge „Annapurna“ stehen Pantoffeln für uns bereit, damit wir unsere Zimmer nicht mit unseren staubigen Wanderschuhen betreten. Für eine Nacht werden wir die Schlafsäcke gegen bezogene Betten tauschen. Der ganz besondere Luxus sind jedoch – Bettenheizungen! Außerdem verfügt jedes Zimmer über ein eigenes Bad mit einer warmen Dusche.

Die Ansage von Buddha lautet: „17 Uhr Kloster, 18 Uhr Abendessen“. Wir haben noch eine Stunde Zeit, die wir zum Frischmachen und Wäschewaschen nutzen.

Die rotbemalte Sakya-Kloster aus dem Jahr 1429 befindet sich nur wenige Minuten vom Hotel entfernt. Ich überlege noch laut, meine Sirnlampe mitzunehmen. Der große Markus hört auf mich, was ich besser auch getan hätte, denn im Treppenhaus der Gompa, auf deren Dach wir steigen, ist es stockdunkel. Der bunte Innenraum ist allerdings erleuchtet und mutet wie ein Museum des tibetischen Buddhismus an. Leider wird uns nichts erklärt, aber mit der Eintrittskarte habe ich auch einen Flyer erhalten und erfahre, dass bis spät ins 18. Jahrhundert hier stets bis zu 100 Mönche aus zwölf verschiedenen Dörfern des Bezirks Mustang wohnten. Heute sind es 41 mit 21 Schülern, und die Warteliste ist lang.

Sakya-Kloster in Kagbeni. Foto: Diana Kunze

Auf dem Rückweg verschwindet Diana mit der Kamera in den schmalen Gassen, die teilweise sogar beleuchtet sind. Lange bleibt sie nicht, denn es ist bereits zu spät, den zauberhaften Ort noch viel länger zu erkunden. Das Abendbrot wartet: eine leckere Kartoffelsuppe und Yakbraten. Mmh…

(Hm ↑150 ↓1150 Gz 4 h)  Weitere Fotos: siehe twitpic

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