Über den Thorong La („Donnerpass“, 5.416 m) nach Muktinath (3.790 m)

Horst (links) und ich auf dem Thorong La („Donnerpass“), 5416 m. Foto: Diana Kunze

Tag 14. Frühstück (fast) mitten in der Nacht. Ich esse nur etwas Ei, nachdem mir gestern die Kartoffeln schwer im Magen lagen. Um 3.30 Uhr ist Aufbruch zur härtesten Tour unserer Reise, über den Thorong-Pass. Mit Stirnlampen laufen wir, warm eingemurmelt, stetig nach oben. Schweigsam, andachtsvoll. Der Himmel ist sternenklar. Der Mond strahlt hell. Wir schauen zurück auf die weißen Chulu-Gipfel.

Nach über einer Stunde erreichen wir frierend das Thorong Phedi High Camp (4925 m). Nach einer Mini-Pause treffen wir auf über 5000 Höhenmetern auf einen festen Unterschlupf, der zur Saison wohl als Teehaus genutzt wird. Hier finden wir Schutz vor dem bitterkalten, rauen Wind. Unser Wanderpartner Dietrich, der ein Pferd für die Passüberquerung gemietet hat, ist auch schon eingetroffen. Wir begrüßen uns, als hätten wir uns ewig nicht gesehen.

Ich will einen gefrorenen Schokoriegel essen und schaffe kaum die Hälfte. Mir wird übel. Kopfweh. Diana gibt mir eine Schmerztablette. Ich muss vieI trinken, gegen die Höhenkrankheit. Leider haben wir für Diana und mich nur eine Kanne Tee; das Trinksystem und die Wasserflasche sind vereist.

Als wir den Unterschlupf verlassen, geht die Sonne auf. Ich – sonst immer einer der Ersten – laufe am Ende unserer Kette. Deshalb spürt unser Guide Buddha, dass etwas mit mir nicht stimmt. „Du hast die Höhenkrankheit“, sagt er mir. Ein Schock.

Auch anderen aus unserer Gruppe macht die Höhe zu schaffen, doch mir geht’s offenbar besonders schlecht. Ich gehe extrem langsam. Tipp – tapp. Sicherlich, dafür muss ich mich nicht schämen, denn:

selbst die beste Kondition ist keine Garantie, nicht höhenkrank zu werden (http://www.wander-mueller.de/Hoehenkrankheiten)

Aber – ich habe ein schlechtes Gewissen, Diana gegenüber. Sie bleibt in meiner Nähe, und da sie friert, fällt ihr das Langsamlaufen sichtlich schwer. Mich quält außerdem, dass ich Tee trinke, den sie sich offenbar verkneift.

Träger übernehmen nun auch die Tagesrucksäcke der letzten Wanderer, darunter meinen. Ich habe nur noch ein Ziel: rüber über diesen Pass und ins warme Kali-Gandaki-Tal. An Umkehr denke ich keine Minute.

Endlich, endlich (!) oben. Gebetsfahnen flattern im Wind. Wir drücken uns mit Wanderpartnern und rufen „Berg heil!“ Ein Hochgefühl.

Yakwakang (6482 m). Foto: Th. Kunze

Diana und ich können’s nicht ewig auskosten. Der kalte Wind stürmt, die Höhe hat mich und so manche(n) ausgelaugt. Hinab also, der lange Markus ist schon vorweg-„gestürmt“, und ich folge ihm.

Mit jedem Schritt fühle ich mich besser, und es geht rascher. Ich kann nun wieder die einzigartige Natur genießen, für die mir oben auf dem Pass die Sinne fehlten. Etwa den Blick auf den wunderschönen, schneebedeckten Yakwakang (6482 m) und die weite Sicht hinab, Richtung Muktinath.

Etwa eine Stunde vor der heiligen Stadt machen wir an der Terrasse der Yakgawa-Lodge (4200 m) eine Rast. Die Sonne scheint, aber wärmt nicht wirklich. Ich habe wieder Appetit und lass mir eine leckere Nudelsuppe mit viel Gemüse schmecken.

Schon von weitem nimmt mich dann Muktinath (3.790 m) durch seine einzigartige Lage mit Blick auf den majestätischen Dhaulagiri („Weißer Berg“,  8167) und ein besonderes Flair gefangen. Am Uralt-Heiligtum der Buddhisten und Hindus ist ein Berg vollständig mit Gebetsfähnchen geschmückt.

Im freundlichen Hotel Royal Mustang genießen wir die langersehnte warme Dusche und ein noch länger entbehrtes Bier, auf der Dachterrasse bei Sonnenuntergang.

Im Restaurant schaltet der Wirt sofort die Klimaanlage an, und unterm Tisch wärmen uns heiße Kohlen. Das Essen ist schmackhaft, und ich fühle mich nun rundum wohl.

Fazit: Den Pass hätte ich mir zwar gerne erspart, erst recht im Dezember. Aber: Irgendwie musste ich ja hinüber. Wer die Annapurna-Runde wandert, hat keine andere Wahl. Nun freue ich mich, in Muktinath zu sein – und vor allem auf wärmere Tage.

(Hm ↑1000 ↓1700 Gz 10 h)

Abstieg an der langen Mauer des Heiligtums von Muktinath. Foto: Th. Kunze
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