Regentage in Dorna-Watra und Klausenburg

Die Brücke führt direkt drauf zu: das Hotel Maestro in Dorna-Watra neben der Casino-Ruine.

31. 08.10 – 03.09.10

Erneut starker Regen. Die Wanderung von Lunca Ilvei nach Poiana Stampei (Bukowina) fällt aus. Ein Kleinbus bringt uns zum Bahnhof. Wir warten zwei Stunden auf den Zug. Ich lese mir sehr gründlich die Zeitungsreste von Bernhard durch.

Fahrt nach Vatra Dornei (deutsch: Dorna-Watra). Knapp 17.000 Einwohner im Kreis Suceava. Sehen schon im Zug unser schönes Hotel Maestro am Fluss, direkt vor dem Kurpark.

Der alte Kur- und Wintersportort: auf dem ersten Blick sympathisch. Wir bummeln. In der römisch-katholischen Kirche viel deutsche Schrift (bis 1918 gehörte die Bukowina zu Österreich-Ungarn). Vorbei am Ethnologischen Museum. Viele Banken, aber leider keine gemütliche Kneipe. Wähle deshalb eine verrauchte Pizzeria, um Tagebuch zu schreiben.

Die warme Küche im Hotel Maestro ist nicht wirklich warm. Schmackhafte, aber zu kleine Portionen. Palinka statt Tzuika. Auch in diesem besseren Haus aus Plastikflaschen. Heißt: Selbstgebrannter. Schmeckt allerdings super. Der Unterschied zum Tzuika, den wir intensiv diskutieren: Während Tzuika eine traditionelle rumänische Spirituose ist und ausschließlich aus Pflaumen hergestellt wird, ist Palinka der ungarische Name für Obstler. Der Alkoholgehalt kann dabei bis zu 86 Prozent betragen.

01.09.10 Frühstück. Das Haus ist mit großen Gruppen deutlich überfordert. Jedes Stückchen Butter muss einzeln bestellt werden. Den ersten Kaffee erhalten wir nach einer halben, das Essen nach einer Stunde Wartezeit. Die Bedienung raucht, während wir speisen. Lächeln fällt ihr schwer. Das alles zeigt: Das Hotel Maestro hat die realsozialistische Zeit nicht wirklich überwunden – kein Vergleich zu den kleinen, freundlichen Pensionen, die wir auf unserer Reise hierher kennen gelernt haben.  

Suche nach dem Diecilor-Gipfel (1301 m)

Es hat sich eingeregnet, und wir haben deshalb nicht viel vor. Unser Mindestziel: der Diecilor-Gipfel (1301 m). Gleich hinterm Hotel beginnt der Wanderweg (blaue Markierung). Die Wetterbesserung, als wir endlich starten, trügt. Wir treffen auf jugendliche Rodler beim Training. Wenig später, am Skilift, stehen wir etwas ratlos da. – Wo ist die Markierung?

Der Regen hat seine kleine Verschnaufpause beendet. Neun Wanderpartner können sich damit nicht anfreunden; wir sind deshalb nur noch zu viert beim Aufstieg. Die Suche nach dem richtigen Weg geben wir bald auf. Immerhin gibt es einen Pfad neben dem Skilift. Bis zum Gipfel kann es nicht weit sein, doch wir laufen woanders hin.

Macht nichts. Hauptsache, wir sind  unterwegs. Unser letzter Wandertag, da kann mich nichts stören. Auch der Regen nicht und der Weg schon gar nicht. Zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Herrschaft mag er sogar gepflegt worden sein. Heute versperren ihn immer wieder große umgestürzte Bäume. Sie sind nass und glitschig vom Regen. Wir müssen vorsichtig drübersteigen.

Viele Himbeeren, Steinpilze und Pfifferlinge. Ein Pfad neben dem Hauptweg führt rechts nach unten, dann zurück Richtung Vatra Dornei. Kleine Rast unter großen Nadelbäumen. Anschließend, wie aus heiterem Himmel, ein Traumweg, richtig gemütlich; doch bald endet er ebenso plötzlich wieder. Auf einer Wiese verfolgen uns Hunde, die eigentlich dazu da sind, ihre Schafherde zu beschützen. Wo es viele Hunde gibt, da ist der Bär nicht weit in Rumänien.

Über Kuhweiden, Vatra Dornei vor Augen, laufen wir bis zu einem Friedhof. Dann durch ein schönes Viertel mit alten Villen, die an bessere Zeiten erinnern. 

Gesamtgehzeit: 2 h.

Am Nachmittag: Suche nach Postkarten – da ich keine schönen finde, kaufe ich ein Foto. In einer Konditorei esse ich ein leckeres Stückchen Kuchen.

Abendessen in der Vila Musetti. Ein Volltreffer! Suppen und Hauptseisen mit Steinpilzen. Riesige Teller! Auch die Bedienung gibt sich hier richtig viel Mühe!

02.09.2010 Das Frühstück im Maestro lässt wieder auf sich warten, aber wir haben Zeit. Der Zug nach Cluj Napoca (deutsch: Klausenburg) startet um 10.48 Uhr.

Bis zur Abfahrt versuche ich noch eine deutsch- oder zumindest englischsprachige Zeitung aufzutreiben. Ohne Erfolg. Auf internationale Touristen sind die Kioske nicht eingestellt.

Der Zug fährt langsam. Wir sehen Wälder, Hügel, Felder, Dörfer, Tiermärkte… und kurz vor Klausenburg das Nokia-Werk.

Ankunft um 14.46 Uhr in der viertgrößten Stadt Rumäniens (über 300.000 Einwohner) und Heimat von immerhin 60.000 Ungarn. Die Altbauten sind im guten Zustand. Eine Straßenbahn. Viele junge Menschen, modern gekleidet. Vor allem Studenten.

Wir laufen knapp 2 km bis zum Hotel Agape. Der Portier spricht Englisch. Meine Frau kann mich in meinem Zimmer anrufen – die Verbindung wird hergestellt.

Stadtbummel im Regen. Gemütliches Flair. Zufällig geraten wir in eine Vernissage. Bilder von Darko Lazlo, dichtes Gedränge.

Beim Abendessen im Hubertus bedanken wir uns bei Angelica und Günther mit kleinen Geschenken.

03.09.10 Das Hotel hält für Frühaufsteher, die zum Flughafen müssen, große Lunchpakete bereit. Rückflug über Timisoara und München nach Berlin. – La revedere!

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